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Tagesausgabe

Die Klänge der Natur: Ein Gespräch mit Alexej Gerassimez

Perkussionist Alexej Gerassimez erklärt, wie Naturlaute und Musik miteinander verbunden sind und welche physikalischen Gesetze dabei eine Rolle spielen.

Sophie Becker··2 Min. Lesezeit

Ein sanfter Wind weht durch die Bäume am Rand der Heidenheimer Opernfestspiele, während die Vorfreude auf die musikalischen Darbietungen in der Luft liegt. Hier, wo Natur und Kunst aufeinandertreffen, findet sich auch Perkussionist Alexej Gerassimez, der zwischen den Klängen der Umwelt und denen seines Instruments hin und her wandelt. Oft reduziert auf den Schall der Trommeln oder das Klirren von Becken, ist seine Musik vielmehr eine Entfaltung von physikalischen Prinzipien, die den gesamten Raum um ihn herum durchdringen.

Gerassimez ist gefesselt von der Idee, dass die Klänge der Natur wie eine Art Partitur sind — eine Anleitung, die uns zeigt, wie sich Schallwellen durch verschiedene Medien bewegen. Er stellt in den Raum, wie oft unsere Auffassung von Musik in der modernen Welt von künstlichen Klängen dominiert wird, während die ehrlichen und reinen Töne der Natur oft ignoriert werden. Was passiert, wenn wir diese natürlichen Klänge nicht nur hören, sondern aktiv in unsere Musik integrieren? In vielen seiner Stücke verwendet er Klänge, die er aus seinem Umfeld aufnimmt. Diese Verbindung von natürlicher Akustik und komponierter Musik eröffnet neue Dimensionen des Hörens, die in der klassischen Musik traditionell nicht erforscht wurden.

Musik als physikalisches Phänomen

In der Physik werden Schallwellen als Vibrationen betrachtet, die durch verschiedene Medien reisen. Gerassimez zieht eine Parallele zwischen den physikalischen Eigenschaften von Schall und der Musik selbst. „Wenn ich eine Trommel schlage, erzeugt das nicht nur einen Klang, sondern auch eine Reihe von Frequenzen, die im Raum pulsieren“, erklärt er. Diese Frequenzen haben nicht nur Auswirkungen auf die Hörer, sondern auch auf die physikalische Umgebung. Es stellt sich die Frage, ob wir die Musik anders wahrnehmen sollten, wenn wir diese physikalischen Konzepte in unsere Betrachtung einbeziehen. Verändert das unser Verständnis von Emotionen in der Musik? Ist es möglich, dass wir durch die Kenntnis dieser Prinzipien eine tiefere Verbindung zu den Klängen aufbauen können?

Die Symbiose von Mensch und Natur

Gerassimez sieht in der Natur nicht nur einen Ursprung für Klänge, sondern auch Inspiration für Kompositionen. „Eine abfallende Eichel hat einen Klang, der fast wie ein kleines Schlagzeugspiel wirkt“, sagt er. Diese Art von Inspiration führt uns zu einer grundlegenden Frage: Wie viele Klänge in unserer Umwelt gehen verloren, weil wir nicht danach suchen? Es ist ein eindringliches Bild, das uns dazu auffordert, das Gehörte zu hinterfragen und darüber nachzudenken, wie wir die Klänge um uns herum in unser musikalisches Schaffen einfließen lassen können.

Mit jedem Schlag, den er auf den verschiedenen Percussion-Instrumenten macht, öffnet Gerassimez das Ohr für neue klangliche Möglichkeiten. Er lädt uns ein, aufzutauchen und die Klänge der Natur nicht als Hintergrundrauschen, sondern als Teil einer größeren symphonischen Erzählung zu hören. Es bleibt zu überlegen, ob diese Rückkehr zu den natürlichen Klängen uns nicht auch zu einem tieferen Verständnis von Musik und ihrem Platz im Universum führen könnte.